Original Murnau-Werdenfelser Rinder
Herdbuchzucht vom Gölmbach


Das Horn

Besondere Aufmerksamkeit möchte ich hier einmal den Hörnern widmen.

 Wenn wir ein Tier mit zwei am Kopf angeordneten Hörnern anschauen, wissen wir, dass es ein Wiederkäuer mit vier Mägen und einem langen Darm ist. Man vermutet, das es einen Zusammenhang gibt zwischen den sehr spezialisierten Verdauungsorganen und den Hörnern. Im Oberkiefer der Wiederkäuer befinden sich weder Eck-noch Schneidezähne, hier entwickelte sich aus dem Zahnfleisch eine Kauplatte mit verhornter Oberfläche.

Das Horn selbst wird aus Haut gebildet, in die ein Hornzapfen hineinwächst, der mit Nerven versehen ist, durchblutet wird und mit der Stirnhöhle verbunden ist. Beim ausgewachsenen Rind durchziehen die gekammerten Hohlräume der Stirnhöhle dann später auch das Innere des Hornzapfens. Der Hornzapfen besteht zuerst aus knorpeligem Gewebe, das dann verknöchert und das Horn fest mit dem Schädel verbindet

Dienten die Hörner früher auch als Waffe bei Angriffen durch Feinde, spielen sie heute eine wichtige Rolle im Sozialverhalten. 

Wollen z.B. zwei Kühe festlegen, wer in der Rangordnung höher steht, treten sie sich mit den Hörnern gegenüber. In einer Herde mit horntragenden Tieren steht eine Rangordnung schneller fest. Oft ist auch zu beobachten, je schöner die Hörner, desto höher ist das Rind in der Herde angesiedelt. Enthornten Tieren fehlt die Möglichkeit sich fair auseinanderzusetzen. Hier wird der Rivalin dann in die Seite gerammt, die Folgen sind  nicht weniger harmlos. Auch sind die Hörner für Rinder ein gutes Erkennungsmerkmal, da Kühe auf große Distanz nicht gut sehen, erkennen sich behornte Tiere unter anderem an ihrer Silhouette.

 Je nach Stellung in der Herde variieren bei horntragenden Rindern die Individualdistanzen zwischen 1-3 m, die bei einer Weidehaltung  problemlos eingehalten werden können.



Egal ob Sinnesorgan, verwandelte Zähne oder die Tatsache, dass Tiere, die Hörner tragen ihre Speiseröhre in Vormägen verwandeln und somit Wiederkäuer sind, für uns gehören die Hörner zu unseren Rindern wie das Salz in der Suppe. Wir lieben diesen wunderschönen Kopfschmuck unserer Murnauer,der ehrlicherweise ungewollt schon die eine oder andere Jackentasche geschlitzt hat, deshalb ist uns für ein vertrauensvolles und verletzungsfreies Zusammenleben ein respektvoller und aufmerksamer Umgang mit unseren Tieren sehr wichtig.



Mit jedem Kalb bildet sich am Horn der Mutterkuh ein Ring. Ebenso können Fütterungseinflüsse an der Ringbildung an der Basis des Horns beteiligt sein, somit ist es möglich, die gesamte Biographie des Tieres wie an einem Baumstamm abzulesen..

Auch wird von Zusammenhängen des Wesens der Tiere und der Biegung ihrer Hörner berichtet, so deuten nach unten gerichtete Hörner auf depressive Tiere, Rinder mit nach außen gerichteten Hörnern sind eher aufmüpffig  .Kühe hingegen deren Hörner nach oben gehen, greifen nicht an und werden nicht angegriffen.